Musikschule Barbara Stanzeleit

Westfälisches Jugendkammerorchester

1985 – das Jahr der Musik, das Jahr der Jugend – war ideal für die Gründung des neuen Kammerorchesters. Die Idee dazu war aus der Praxis geboren: Viele interessierte Kinder und Jugendliche kamen zu mir zum Violin- und Violaunterricht aus dem gesamten Umkreis nach Schwerte. Diesen Schülern ein Ziel zu setzen, ihnen zu zeigen, was Musik im Zusammenspiel bedeutet, Gleichgesinnte zusammenzubringen und in einem kleinen Streichorchester an die große Literatur der Musikgeschichte heranzuführen – das war die Idee bei der Gründung des Westfälischen Jugend Kammer Orchesters. Fast jeder dieser Schüler hatte in seiner Schule ein Orchester, in dem er mitspielte, doch sind dort ganz andere Voraussetzungen: Gibt es dort vielleicht 2 oder 3 fortgeschrittene Mitspieler, konnte ich alle diese Schüler zusammenbringen und damit höhere Leistungsanforderungen stellen, interessantere Literatur bieten. Jeder Einzelne wurde und wird im Kammerorchester gefordert, sein Bestes zu geben und damit das Gesamtergebnis zu beeinflussen. Dass da auch ganz nebenbei lang andauernde Freundschaften entstehen, versteht sich von selbst.

Im Laufe der Jahre schwankte die Zahl der Mitglieder zwischen 12 und 30. Zeitweilig spielten auch einige Holzbläser mit und bereicherten das Programm. Doch es blieb immer gleich: je kleiner der Kreis, um so mehr war jeder einzelne verantwortlich für den Gesamtklang.

Inzwischen sind viele ehemalige Mitglieder selbst Musiker geworden, spielen in verschiedenen Sinfonieorchestern in allen Teilen der Welt oder machen als Kammermusiker Karriere. Ein besonders schönes Beispiel sind zwei Musiker, denen das Kammerorchesterspiel nicht ausreichte, schon während ihrer Zeit im WJKO ein Streichquartett gründeten und nun – mit zwei „neuen“ dazu – mit einem professionellen Streichquartett, dem Signum-Quartett, große Erfolge einspielen.

Viele Reisen, darunter nach Ägypten, Belgien, Bulgarien, England, Finnland, Irland, Polen, USA hat das Orchester im Laufe der Jahre unternommen, überall gab es Begegnungen mit dortigen jugendlichen Musikern, mit denen auch immer neben dem eigenen Programm gemeinsam musiziert wurde.

Finanziell ist das Orchester nur auf die Unterstützung der Eltern angewiesen. Alle Reisen wurden privat finanziert, was nur mit großem Engagement der verantwortlichen Leiter möglich war.

Im Moment gibt es 20 Mitglieder mit Violine, Viola und Cello im Alter zwischen 13 und 19 Jahren. Das Programm reicht von Werken für Streichorchester vom Barock bis zur Gegenwart sowie folkloristische Werke und Bearbeitungen populärer Filmmusiken.


Das Westfälische Jugendkammerorchester auf Reisen

Reise nach Estland und Finnland 11. bis 21. Oktober 2019


Direkt nach der Schule ging es am 11.10. los, mit dem Bus nach Travemünde und weiter mit dem Schiff. Die Überfahrt war so ruhig, dass wir sogar auf dem Schiff richtig proben konnten! Außerdem war das Essen an Bord sehr lecker.

Als erstes ging es nach Tallinn. Wir hatten ein super Hotel mit Frühstücks- und Abendbuffet, da konnte man sich mehr als satt essen. Vormittags besuchten wir die deutsche Schule, wo wir auch am Unterricht teilnahmen. Da fiel uns besonders auf, wie gut die Schüler Fremdsprachen konnten, deutsch natürlich, aber auch englisch. Man konnte sich richtig gut mit ihnen unterhalten. Schade nur, dass so wenig Zeit war, wir hätten gern richtige Kontakte mit einigen estnischen Schülern geknüpft. Aber musikalischen Austausch gab es schon: Einige estnische Schüler sangen etwas für uns, und wir spielten für sie.

Nachmittags war Probe in der Kirche angesagt, danach dann Konzert. Das war sehr schön, obwohl wenig Publikum da war und das Licht zum Notenlesen eigentlich zu dunkel. Aber es war trotzdem sehr schön. Judith hat ihre estnische Freundin getroffen, die sie vor 2 Jahren bei dem Besuch einer Gruppe aus Estland in Schwerte kennengelernt hatte. Das war für sie natürlich super schön!

Am nächsten Tag sind wir allein durch die Altstadt gelaufen, die uns in einer Stadtführung schon gezeigt wurde – aber so allein war es am besten, man konnte sich einfach ansehen, was einen interessierte. Die alten Häuser, die Stadtmauer, die kleinen Gässchen fanden alle gut. Aber auch da fanden wir die Zeit zu kurz!

Weiter ging es nach Helsinki, wo eine Stadtführung angesagt war. Einige Sehenswürdigkeiten fanden wir ganz interessant, wie die Felsenkirche und das Sibeliusdenkmal. Gern hätten wir in Helsinki mehr Zeit gehabt, die Stadt allein zu erkunden, aber das war organisatorisch nicht möglich.

In Leppävirta kamen wir in Gastfamilien, und das war richtig schön. Alle waren zufrieden, auch Judith, die allein in eine Familie kam. Sie erzählte, dass sie ganz viel mit der Tochter der Familie zusammen war und jetzt eine neue Freundin hat. Die anderen waren zu zweit oder eine Gruppe sogar zu sechs in einer Familie. Alle waren überrascht, wie sehr sie von den Familien verwöhnt wurden. Verhungert ist da bestimmt niemand! Die Umgebung von Leppävirta ist so schön, gern hätten wir auch mal eine Wanderung durch die Wälder gemacht, aber leider regnete es viel.

Die meisten fanden auch den Besuch in der Werkstatt des Geigen-und Kantelebauers interessant. Zwei Orchestermitglieder waren Gäste des Geigenbauers und übernachteten in seiner Werkstatt! Sie und auch alle anderen durften seine verschiedenen Kanteles und Gitarren ausprobieren.

Unser Konzert in Leppävirta war dann auch sehr gelungen, unsere Qualität hatte sich gesteigert. Noch besser war es dann sogar in Kuopio, wo wir in der großen Kathedrale konzertieren durften. Der Ausflug zu einem Aussichtsturm war aber eher lustig: Wir waren mitten in dicken Wolken und konnten nicht weiter als einen halben Meter sehen. Dafür gab es aber 3 D -Brillen, die einen Skisprung simulierten – lustig! Ach ja, die berühmten Sprungschanzen von Lahtii haben wir auch besichtigt, ebenso wie ein altes orthodoxes Kloster.
Zusammengefasst kann man sagen, dass die Fahrt unheimlich schön war, nur zu kurz, dass unsere Konzerte sehr gut waren und dass wir viel Neues kennen gelernt haben.